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Zeige mir ein kommunales Spaßbad, und ich zeige dir ein Subventionsgrab

Dülmen – Wenn eine Bürgeranhörung, wie die zum Umbau des Freizeitbades düb, derartigen Zuspruch aus der Bevölkerung findet, wie es am Donnerstag in der Aula des Schulzentrums in Dülmen zu beobachten war, dann ist eine solche Anhörung in jedem Fall als Erfolg zu werten. Der Demokratie “vor Ort” ist nämlich schon dann gedient, wenn Informationen zu Diskussionen mit den Betroffenen genutzt werden – ohne dass überhaupt etwas zu entscheiden war – weil die politischen & Verwaltungsgremien etwas vom Bürger und Wähler in ihren Entscheidungsprozess aufgetragen bekommen, dass ihnen, möglicherweise, unter anderen Umständen und aus anderen Quellen nicht zur Berücksichtigung verfügbar gewesen wäre.

Was sie nun entscheiden, das wird auch gegen das Licht dieser Veranstaltung gehalten werden, auf welcher die Dülmener bewiesen haben, wie sehr sie das “Schicksal” ihres Bades bewegt und betrifft. Was die Badgesellschaft (Stadtwerke), Architekten, Planer und Entscheider bewiesen haben, ist, wie auch jüngst in der Nachbarstadt Lüdinghausen zu beobachten war: Grundsätzlich “alternativlose” Planung, mangelnde Transparenz, zu späte Ehrlichkeit über den baulichen Status Quo – und damit das Zugeständnis der jahrelangen Vernachlässigung und Misswirtschaft, sowie eine wohl allen Kommunalpolitiker innewohnende Tendenz zum populären statt zum für die Daseinsvorsorge notwendigen.

Die Bürgerinnen und Bürger wissen inzwischen besser als die meisten Politiker und Verwalter, worauf es tatsächlich ankommt. Sie haben eben auch an den Beispielen zahlloser Kommunen gelernt, in welchen Spaßbäder gelegentlich auch mal ein Grund für die Haushaltssicherung waren. Zweistellige Millionenbeträge sind immer und unter allen Umständen eine große Hypothek.

Das Problem, ganz gleich, ob im ländlichen Raum wie im Münsterland, oder im großstädtischen, wie dem Ruhrgebiet, ist das Denken, Planen und Betreiben von derartigen Projekten, in direkter Konkurrenz zur Nachbarschaft im Schatten des nächsten Kirchturms. Nur mit den Einnahmen, generiert aus der eigenen Bevölkerung, ist keine der “Spaß-” oder “Freizeitbadveranstaltungen” in Coesfeld, Senden, Dülmen, Olfen oder Lüdinghausen zu betreiben. Zeige mir ein kommunales Spaßbad, und ich zeige dir ein Subventionsgrab.

Und so zahlen die Bürger an allen diesen Orten für die mangelnde Kooperation ihrer Städte und Gemeinden. Denn der Wettkampf um den Wähler wird eben mit genau den Subventions-Euros geführt, den Bäder wie das düb, direkt oder verdeckt, aus den öffentlichen Kassen benötigen.

Ich finde hier die Idee der “Revierparks” aus dem Ruhrgebiet weitaus zielführender: In der Kooperation aus Kommunalverband und Städten konnten so regional bedeutsame Freizeitstädten entstehen, welche die Städte in gemeinsamer Entwicklung mit den Kreisen auch im Münsterland entwickeln könnten. Damit kommen sie aus dem ewigen Konkurrenzkampf, den sich keine Kommune mehr leisten kann, heraus und können sich wieder auf das Notwendige, nämlich die kommunale Daseinsfürsorge (Schulschwimmen), konzentrieren.

Doch daran ist wohl erst zu denken, wenn die gegenwärtige Generation der Kommunal/Kreispolitiker, die sich um ihr “Erbe” scheinbar nicht sorgt, abgelöst wurde und die ihr folgende dann endlich gelernt hat, über den Schatten des eigenen Kirchturmes (& des eigenen Egos) hinaus zu denken…

Die Wählerinnen und Wähler können das längst!


Dülmener Zeitung – Sa., 18.03.2017 – düb-Erweiterungspläne stoßen bei Bürgeranhörung auf massive Kritik

Sprungturm im Karnevalskostüm

Wie rechtfertige ich eine Sechs-Millionen-Euro-Investition in ein öffentliches Bad? Ich mache den Bestand erst einmal möglichst madig. Und so zählte Architekt Christoph Keinemann, der das „düb 2020“ entwickelt hat, eine ganze Latte von hygienischen Mängeln auf, beklagte einen gewaltigen Reparaturstau und entdeckte ungeahnte Räumlichkeiten auf den Galerien und in den Umkleiden, die endlich einmal genutzt gehörten.

Ein Beitrag von Markus Michalak

Kommentare ( 2 )

  • Diesen Aspekt (Muster Revierpark) würde ich gerne mal mit kompetenten Vertretern der umliegenden Gemeinden (Nicht an die politische Struktur gebunden) ausführlich erörtern.

    • An der Diskussion würde ich auch wirklich sehr gerne teilnehmen! Doch so wie ich unsere Bürgermeister und den Landrat einschätze wird schon die Einladung dazu ein schwieriger Akt. Auf Fraktionsebene, egal ob im Kreis oder den Städten sollte das tatsächlich einfacher sein… oder sagen wir besser: Unterschiedlich schwierig. ;-)

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