Screenshot HPD.de

Nicht-öffentlich: Kirche, Stadt & Investoren in Lüdinghausen

Daniela Wakonigg hat sich für den Humanistischen Pressedienst (HPD) zu Allerheiligen (sic!) wieder einmal dem Verhältnis von Kirche und Staat gewidmet. Dieses Mal am besonderen Beispiel der „Stadtbücherei“ in der kleinen, gemütlichen und überwiegend katholischen sowie CDU regierten Stadt Lüdinghausen. Das Frau Wakonigg diesen Beitrag pünktlich in den unmittelbaren Vorlauf der nächsten Ratssitzung am 03. November veröffentlicht hat, darf vermutlich gerne als besonderer Service an die örtlichen Abonnent/In/en der Westfälischen Nachrichten verstanden werden – hat sich doch das lokale Leitmedium des Sachverhaltes bislang nur sehr verhalten gewidmet…

Die städtische Kooperation mit der Bücherei St. Felizitas ist im Rat von Lüdinghausen aktuell ein ziemlich heißes Thema. Nach 15 Jahren sollte der Kooperationsvertrag turnusgemäß mit Ablauf des Jahres 2016 enden und durch einen neuen Vertrag ersetzt werden. Sicherlich wäre dies auch schon längst heimlich, still und leise geschehen, wenn der Kirche nicht eines der von ihr offiziell verpönten und inoffiziell gehegten Laster in die Quere gekommen wäre: die Habgier.

Ohne Absprache mit der Stadt Lüdinghausen gab es Gespräche zwischen der Kirchengemeinde als Trägerin der Stadtbücherei St. Felizitas und einem Investor, der sich die Bücherei als sichere Ankermieterin in einem Neubau wünschte. Die Kirche lockte die Vorstellung außerordentlich, ihren Altbau zu verlassen und in ein nagelneues Gebäude umzuziehen. Es gab nur ein kleines Problem: Die Mietkosten. Denn natürlich sind diese am neuen Standort um ein Vielfaches höher. Da die Stadt laut Kooperationsvertrag zwei Drittel aller Kosten trägt, regte sich Widerstand in den Reihen des Rates. Bei einem Verbleib am jetzigen Standort hätte die Stadt durch Umbaumaßnahmen knapp 6.000 € jährlich sparen können, während der neue Standort eine Mehrbelastung von über 11.000 € pro Jahr bedeuten würde.

Quelle: Daniela Wakonigg – HPD 01.11.2016

Mein Thema in diesem Sachverhalt ist aber weniger das überlieferte Verhältnis von Kirche & Stadt, sondern das andere, nicht weniger überlieferte, doch verdeckte Verhältnis von Investoren und Politik in meinem Dorf. Denn das solche „freundlichen Angebote“ immer auch Interessen dienen, die nur in den seltensten Fällen offen diskutiert werden, ist leider üblich.

Der Hotelinvestor verfügt über ein modernes, doch offensichtlich kommerziell schwierig zu vermarktendes, Ladenlokal von erheblicher Größe in seinem nicht unumstrittenen Hotelkomplex an nicht wirklich optimaler Lage der Lüdinghauser Innenstadt. Einer Innenstadt deren Leerstandsquote in Einzelhandelsimmobilien ohnehin beständig steigt.

Die Bücherei St. Felizitas wiederum verfügt über ein Ladenlokal, in einer etwas in die Jahre gekommenen, doch sehr repräsentativen Liegenschaft in 1a Lage direkt am Anfang der Fußgängerzone – zu einem weitaus günstigeren Preis – übrigens im selben Gebäude in welchem auch die Lokalredaktion des örtlichen Leitmediums ihren Sitz hat. Der Eigentümer der heute genutzten Immobilie hat seinen Mietern (der katholischen Kirchengemeinde), an jener Stelle bereits umfassende Sanierungen und Erweiterungsmöglichkeiten angeboten.

Für JEDEN Vermieter von Immobilien sind Mieter der öffentlichen Hand ein Traum – auch wenn die Hand hier nur 66,5 % der Kosten bestreiten muss und die Kirchengemeinde den Rest beisteuert – aber dafür das umfassende Direktionsrecht in der Einrichtung ausübt. Der Steuerzahler kümmert sich bekanntlich nicht um lächerliche Summen wie 2/3 von 11.000 Euro, wenn an anderer Stelle für weitaus mehr Geld Marktplätze saniert und Maisäcker umgegraben werden.

Der „Deal“ für den Hotelinvestor ist nun recht einfach geplottet: Über „Bande“ spielen! Um die Kirche gemeinsam mit der Stadt zur Refinanzierung seiner Liegenschaft zu nutzen. Einer Liegenschaft übrigens, die es ohne die überaus intensiven Verflechtungen des Investors Kühlkamp mit der stärksten Partei am Ort und ihres Bürgermeisters gar nicht geben würde.

Der Rat wird diesem Manöver wohl mit großer Wahrscheinlichkeit seine Zustimmung versagen. Dazu haben alle Fraktionen und sogar der Bürgermeister sich schon zu deutlich positioniert. Doch „nichts ist unmöglich“ in unserem Dorf, das doch so gerne eine richtige Stadt wäre. ;-)

Ich male mir die weitere Zukunft so: In ein paar Jahren wird an der Borg ohnehin kein Hotel mehr betrieben. Und wenn der Komplex dann zur Seniorenresidenz geworden ist, kann an Stelle der Bücherei dort der Pflegedienst einziehen…

Ich bin jung genug, um das noch zu erleben!

Danke an Jöran Kortmann für den HPD Link!


Zum Thema:

Westfälische Nachrichten, 18.03.2016 – Im Mittelpunkt steht die Bücherei-Thematik: Kirche und Stadt müssen reden

SPD Lüdinghausen, 26.02.2016 – Im Schulausschuss – Entscheidung zu Büchereistandort wird sachlich behandelt

 

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