WN 07.03.2017

Kriminalitätsstatistik Lüdinghausen – Mit Sicherheit keine Angst

Lüdinghausen – (K)Ein Leserbrief: Wir sind “relativ” sicher, betitelt die Lokalausgabe unseres Leitmediums den Bericht zur am Montag erschienenen Kriminalitätsstatistik der Kreispolizei Coesfeld. Nun ja. Wahrscheinlich hat Frau Eckrodt damit “relativ” Recht. Zahlen lügen nicht. Zahlen sind kein Sachverhalt. Sie werden nur benutzt um einen Sachverhalt zu beschreiben.

Die Kreispolizei nennt nur die Fakten. Was Journalisten und Leser daraus machen, bleibt ihnen überlassen. Mitunter wird es von den Lesern allerdings durchaus geschätzt, wenn der Gegenstand, über den die Journalisten schreiben von denen auch erklärt wird:

Bei einer Einwohnerzahl von 24.263 betrug die sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl in Lüdinghausen 5.865 (2015: 6.697).

Wenn man nun nicht mit der Errechnung dieser “Häufigkeitszahl” vertraut ist, dann könnte das Verhältnis dieser Zahlen jeder Leserin und jedem Leser unter Umständen nachhaltig Grund zur Sorge geben. Sieht es doch auf den ersten Blick so aus, als wäre rechnerisch bald ein Viertel der Lüdinghauser in 2016 das Opfer von Kriminalität gewesen… Doch dem ist zum Glück nicht so!

Die Kriminalitätshäufigkeitszahl ist die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle insgesamt oder innerhalb einzelner Deliktsarten, errechnet auf 100.000 Einwohner. Also die Anzahl der Straftaten X 100.000 / die Einwohnerzahl. Das sorgt für Vergleichbarkeit. Und das ist wichtig!

Am Ende sind auch die 1423 Straftaten, die der WN-Beitrag auch nennt, noch eine Menge, die dem “besorgten Bürger” genug Anlass dafür gibt, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Strasse zu gehen, die Kinder nur noch unter Begleitung nach draußen zu lassen und das Eigenheim mit Drahtmattenzaun nicht unter einem Meter achtzig, Halogenscheinwerfer, Alarmanlage und selbstauslösender Kamera in eine Festung zu verwandeln – natürlich nicht ohne täglich auf Facebook darüber zu klagen, wie “schlimm” doch alles geworden ist.

Da sorgt das Denken im Kreis offensichtlich für einen Kurzschluss!

Denn eine Stadt in der keine Menschen mehr auf den Straßen sind, ist immer unsicherer, als eine Stadt die lebt. Nachbarn die sich abschotten – und schlimmstenfalls einander gar nicht mehr kennen – sind potentiell immer viel leichtere “Opfer” als Menschen die ihre Nachbarschaft “gemeinsam” leben und füreinander da sind.

Wenn das Geld, was in Lüdinghausen in den letzten Jahren kollektiv in sogenannte Sicherheitstechnik investiert wurde, statt dessen in die Straßenbeleuchtung geflossen wäre, dann wäre mein persönliches “Unsicherheitsgefühl” beim Abendspaziergang mit unserem Hund schon sehr befriedigend adressiert.

Wenn mich dieses Gefühl überkommt, dann denke ich zurück an die Zeit, als ich in Essen als Taxifahrer in Gegenden unterwegs war, die nicht einmal auf den Stadtplänen verzeichnet waren, oder als ich irgendwo in Schanghai mal falsch abgebogen bin und mich verlaufen habe…

Alles ist “relativ”…

Die Erfahrung dass ich schon an anderen – sehr unterschiedlichen – Orten leben und arbeiten durfte, hat mir ungemein dabei geholfen, die Sinne dafür entwickeln, mich in unserer Kleinstadt so sicher zu fühlen, wie kaum an einem anderen Ort… Das heißt aber wiederum nicht, den Sinn dafür zu verlieren, sich dem Ort und den Gegebenheiten entsprechend zu verhalten.

Es ist, wie immer und überall – die Perspektive auf das Problem beeinflusst seine Bewertung enorm!

Neben Krankheit gibt es im Leben eines Menschen vermutlich nichts schlimmeres als Angst.

Doch am Ende sind wir alle tot!

Wie wir bis dahin leben wollen, das können wir entscheiden…

Wenn uns nicht vorher der Himmel auf den Kopf fällt!


Westfälische Nachrichten – Di., 07.03.2017

KriminalitätsstatistikSteverstadt ist ein relativ sicheres Pflaster

Lüdinghausen – Die Zahl der Straftaten ist in Lüdinghausen im vergangenen Jahr zurückgegangen. Mit insgesamt 1423 bekanntgewordenen Delikten liegt die Steverstadt unter dem Kreisdurchschnitt. Von Anne Eckrodt

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