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In der digitalen Diaspora – Kein Anschluß für Lüdinghausen?

Lüdinghausen – Ich weiß nicht, ob die Marketingstrategie der Deutschen Glasfaser GmbH wirklich so aufgehen wird, wie es anderen Ortes offenbar immer wieder mal geschehen ist. Eine über Monate laufende „Bedarfsbündelung“ durch die fortlaufende Kommunikation von erreichten/fehlenden Prozentangaben zum Ziel von X% aller Haushalte im definierten Anschlussgebiet zu begleiten, das mag den einen motivieren und die andere danach fragen lassen, wie „real“ diese Zahlen eigentlich mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

Am Montag der nächsten Woche ist Stichtag für die „Bedarfsbündelung“ in Lüdinghausen (Stadt). Am Montag will die Deutsche Glasfaser GmbH also feststellen ob es sich für sie lohnt, in der Stadt ein flächendeckendes Glasfasernetz zu installieren, oder ob sie die dörfliche Metropole des südlichen Münsterlandes links liegen lässt, und ihr Geschäft lieber an anderen Orten weiterführt.

Sollte das so kommen, dann hätte es etwas von Realsatire, wenn das „Dorf“ Seppenrade, welches zwar kommunal mit Lüdinghausen eine Einheit bildet, in der Realität nicht nur durch den Dortmund-Ems Kanal und auch so manch andere „kulturelle“ Eigenart von der „Stadt“ im Osten getrennt wird, sondern in Zukunft dann auch noch durch eine digitale Kluft.

Für die Deutsche Glasfaser GmbH (DG) ist das alles eigentlich kaum interessant. Sie hat die potentiellen Anschlußgebiete nach eigenem Ermessen definiert, die Daten erhoben und wird nach eigenem Ermessen darüber entscheiden, ob sie Lüdinghausen doch noch interessant genug für ihr Geschäft hält.

Nach den gestern kommunizierten Werten fehlten noch 825 Haushalte zur Zielmarke von 40%.

Diese Zahl, so hoch oder niedrig sie auch erscheinen mag, repräsentiert letztlich den Break-Even-Point, zu welcher der kommerzielle Ausbau der digitalen Infrastruktur für die DG erst interessant genug sei. Ob der Betreiber vielleicht schon bei 39,5% Profit erwirtschaften kann, oder ob und wie viel er draufzahlen würde, das geht uns nichts an. Das ist eine freie unternehmerische Entscheidung des Investors. So soll das sein! Freier Markt und so…

Nun ist aber auch offensichtlich, dass diese Zahlen letztlich vollkommen willkürlich gesetzt sind – und in erster Linie dem Marketing des Produktes dienen. Mit realen Bedingungen, also etwa dem baulichen Aufwand, der gegebenen Infrastruktur und den tatsächlichen Kosten haben sie nichts zu tun. Etwa öffentlich zu prüfen sind die kommunizierten Zahlen natürlich auch nicht. Denn: „Wer das Geld in die Hand nimmt“ entscheidet!

Wenn bis Montag plötzlich doch irgendwo noch 825 Verträge auftauchen, dann gibt es eine schöne Pressemitteilung mit Gratulation des Bürgermeisters und der Fraktionsvorsitzenden der Ratsparteien in der WN. Und wenn der erreichte Auftragsbestand der DG (noch) nicht genügt, dann wird sie die „Bedarfsbündelung“ gegebenenfalls verlängern.

Verstehen sie mich nicht falsch: Ich wünsche mir sehr, dass die DG auch in Lüdinghausen ein „gutes Geschäft“ macht!

Es handelt sich hier allerdings nicht um ein soziales, gemeinnütziges oder politisch motiviertes Projekt, sondern um knallharten wirtschaftlichen Wettbewerb!

Da verwundert es schon, wenn sich ALLE politische Parteien – mit allerdings erkennbar unterschiedlicher Heftigkeit – vor den Wagen des Investors spannen lassen, während der Mitbewerber  sich immerhin noch zu 32% in Staatsbesitz (Bund/KfW) befindet – und damit – immerhin zum Teil – auch noch den Steuerzahlern gehört.

Dieser Mitbewerber hat allerdings überhaupt kein Interesse, mit einem gleichwertigen Angebot anzutreten, sondern vermarktet lieber sein viel schlechteres Produkt – das allerdings exklusiv…

Merken sie, wo der Fehler liegt?

Der Fehler ist, dass „wir“, also Bürgerinnen und Bürger, Unternehmerinnen & Unternehmer, Steuerzahlerinnen & Steuerzahler, die Kontrolle über wichtige Infrastruktur, wie, in diesem Beispiel, das (Telefon-) Netz der Deutschen Bundespost, in die Hände und die ausschließlich nach Profit orientierten Interessen von Unternehmen (die „privatisierte“ Deutsche Telekom) entlassen haben. So sollte das sein, denn so funktioniert eine „marktkonforme Demokratie„.

Dieser Prozess ist allerdings noch nicht zu ende!

Da ist es ganz egal, ob es sich um Schwimmbäder, Grünflächenpflege oder Bundesautobahnen und Flughäfen handelt – dort wo es scheinbar „billiger“ und „effizienter“ wird, bekommen wir keine bessere Lei(s)tung, zahlen aber immer drauf! Die eine oder andere der angesprochenen Parteien weiß das schon länger – die anderen werden vielleicht doch etwas aus dem aktuellen Prozess um den Anschluss der Stadt an zukunftsfähige digitale Infrastruktur gelernt haben?

Leider ist das wohl tatsächlich nicht wirklich anzunehmen…:

Nichtsdestotrotz habe ich schon vor Wochen einen Vertrag mit der DG unterschrieben.

Weil es wohl für viele Jahre überhaupt das einzige Angebot sein wird, welches Lüdinghausen aus der digitalen Diaspora zu befreien verspricht!

Und „billiger“ wird es auch nicht…


Mehr Informationen: Deutsche Glasfaser – Netzausbau – Lüdinghausen

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