Glückwunsch Lüdinghausen – Dieses „Kino“ haben wir uns wohl verdient!

Lüdinghausen – Die Erinnerungen an die Fackelzüge der aufgebrachten Lüdinghauser Bürgerinnen und Bürger um die Schließung der Flimklappe, des letzten Kinos in Lüdinghausen, vor knapp zehn Jahren noch zu verhindern, sind allen, die alt genug sind, sich zu erinnern, noch nachhaltig präsent.

Doch auch all die vielen Menschen konnten vor zehn jahren schon den Verkauf und Abriss des Kolpinghauses an einen lokalen Investor, der am Ostwall jetzt durch ein gut ausgelastetes Ärztehaus mit Apotheke und senioren-gerechten Wohnungen ein gutes Geschäft machen darf, wo vorher noch Gastlichkeit und hohe Filmkunst geboten wurde, nicht verhindern.

Auch die Angst vor solch furchtbaren Straßenkämpfen kulturbegeisterter Nachtschwärmer, wie in unserer Nachbarstadt um den Erhalt des historischen Thalia-Theaters in Selm zu beobachten waren, welches gegenwärtig auch dem Erdboden gleich gemacht wird, um Platz für Wohnraum zu schaffen, werden den Lüdinghauser Ratsleuten die Hand geführt haben, als sie gestern Abend zur Abstimmung gehoben wurden, um Lüdinghausen den Kern seiner kulturellen Identität zurückzugeben, um welchen die Stadtgesellschaft so lange und so hart gekämpft hat.

Es ist offiziell- Lüdinghausen bekommt ein Kino!

In der Ratssitzung am Abend des 6. April erhielt die…

Posted by Bürgermeister Richard Borgmann on Donnerstag, 6. April 2017

Die Menschen lieben schließlich ihre Lichtspiele!

Kein Kommunalpolitiker würde sich freiwillig mit militanten und womöglich gewaltbereiten Kinogängern anlegen.

Und: Die Lüdinghauser sind nachtragend – sie vergessen nicht(s) (außer dem Kino, das sie mal hatten…)…

Denn wer gestern verhindert hätte, das letzte stadtnahe Filetgrundstück für ein Butterbrot – welches aber vermutlich gerade ausreichen wird, um die Kostensteigerungen bei der Errichtung der gegenüberliegenden Arno-Meyer-Halle aufzufangen – der hätte sich an seiner Zukunft versündigt… also wenigstens an seiner Zukunft als vom Volk gewähltes Aufsichtsratsmitglied der Lüdinghausen GmbH & Co. KG.

Die Zukunft der Stadt hängt an diesem Kino so sehr wie Popcorn für nachhaltige Ernährung steht.

Und jeder weiss: Die falsche Ernährung führt langfristig zu schweren gesundheitlichen Schäden.

Genau diese Schäden werden wir in den nächsten Jahren dann an der „Gesundheit“ der Lüdinghauser Innenstadt beobachten können… einen „Schnupfen“ hat sie schon länger!

Ganz sicher wird sich, wenn dann wieder einmal die letzte Kinokarte Lüdinghausens verkauft wurde, und der nächste Kinobetreiber die Stadt verlassen haben wird, wieder ein „lokaler“ Investor finden, der es versteht, aus den brachliegenden Bunkern ein gutes Geschäft zu machen. Ob der Investor dann Austrup oder Kühlkamp oder doch ganz anders heisst, der Bürgermeister noch Borgmann oder schon Kortendieck, wird dann nicht den geringsten Unterschied mehr machen.

So macht sich Kapitalismus öffentliches Eigentum zu nutze.

So funktioniert „freie“ Marktwirtschaft.

So ist das „Morgen“!

Ich bin dagegen!


„Das Schrecklichste ist, so zu tun, als sei das Zweitklassige das Erstklassige“

(Doris Lessing)