Photo by Eugenio Hansen, OFS

#RANT: Du bist Lüdinghauser wenn… – du noch merkst, wie Scheiße du bist!

Lüdinghausen – Lasst mal einen Moment die deutsche Leitkultur sprechen, den Leuchtturm, von dem wir uns, angeblich, alle leiten lassen und an welchem wir unser, auch politisches, Sein orientieren… Und dann lasst uns über Demokratie nachdenken. Über Lüdinghausen, Deutschland, Europa, die Welt und all das, was wir jenseits des Gartenzauns wahrnehmen und prägen.

Den heute zu Protokoll gegebenen #BREXIT, zum Beispiel, hat Johann Wolfgang von Goethe vermutlich schon kommen sehen – und er hatte deshalb auch eine äußerst präzise Bewertung dazu:

„Nichts ist widerwärtiger als die Majorität; denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich akkommodieren, aus Schwachen, die sich assimilieren, und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im mindesten zu wissen, was sie will.“ (1)

Damit hat der Gigant deutschen Geistes nicht nur Gestalten wie Donald Trump, Nigel Farage und Boris Johnson entlavt, sondern gleich mal das ganze Wesen der Demokratie auf links gedreht.

So mögen wir sehen, wie des Volkes Wille bestimmt und entscheidet… wenn es denn überhaupt tut, was es soll.

Die Briten sind nicht schlauer oder blöder als wir. Heute mit dem Finger auf die Insel zu zeigen, welche sich im kollektiven Hangover nach dem Exit-Referendum gleichsam fragt, ob denn 52% aller an der Abstimmung teilnehmenden Briten das Recht haben, nicht nur den 48% aller ebenfalls an der Abstimmung teilnehmenden Landsleute, sondern dem ganzen, bis dahin noch vereinigten, Königinnenreich vorzuschreiben die Europäische Union zu verlassen – verbietet sich!

Und das nicht nur, weil dabei vier Finger der Hand auf uns selber zeigen!

George Bernard Shaw, ein irischer Geistesgigant des letzten Jahrhunderts wusste nicht nur, dass der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert ist, sondern auch dass:

„Die Demokratie (…)ein Verfahren (ist), das garantiert, daß wir nicht besser regiert werden als wie wir es verdienen.“… „Die Demokratie setzt die Wahl durch die beschränkte Mehrheit an die Stelle der Ernennung durch die bestechliche Minderheit.“ (2)

Und so werden wir – keine Überraschung – natürlich dann auch entsprechend regiert!

Das alte Dublin war da sicher nicht anders als Washington, Berlin, Paris oder London und Leipzig heute und zu aller Zeit. Überall demonstrieren die Menschen – allesamt „beschränkt“ und doch zur Wahl berechtigt – und erlauben sich gleichzeitig mal ganz allgemein „Scheiße“ zu finden, was abgeht, ganz besonders und ganz gleich worum es geht. Und die, die da sagen wo es langgeht – die „Eliten“ – sind schuld daran und müssen deshalb weg!

In Deutschland profitierte davon – vor Abfahrt des Schulz-Zuges – offenbar nur eine einzige Partei – so die Legende. In anderen Ländern ist das allerdings auch nur wenig differenzierter. Die „Elite“ aber, ist überall dieselbe. Scheinbar. Und „unsere“ Elite hat ihr Hauptquartier in Brüssel – oder doch in Berlin? Oder gar Coesfeld?!

Im Grundgesetz ist eine „Elite“ nicht vorgesehen. Da steht: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“ (Art 20 / 2)…

Und doch lesen wir vom „Versagen der Eliten“, diskutieren über Machtkartelle von „denen da oben“ und die, welche „das Volk für dumm verkaufen“… ganz gleich ob es um Klimawandel, TTIP, Flüchtlinge oder die Ansiedlung eines Kinos in Lüdinghausen geht… „Die“ haben versagt, gelogen und betrogen – derweil ihr schändliches Tagesgeschäft hauptsächlich darin besteht einfach nur ihren Job zu machen.

Einige machen es dabei besser als andere, viele machen mehr falsch als richtig, aber alle folgen nichtsdestotrotz einer Job-Beschreibung, die wir, ihre Wähler, ihnen mitgegeben haben.

Was qualifiziert uns eigentlich dafür? Und wer kontrolliert uns eigentlich, wenn nicht wir selbst?

Genügt schon ein Konto bei Facebook, ein eigener Blog, oder braucht man zwingend ein Abo der Westfälischen Nachrichten zu einer qualifizierten Meinungsberechtigung? Oder reicht es sogar, einfach nur Freude an der eigenen schlechten Laune zu haben und daraus abzuleiten, das Recht zu haben, allen anderen keine bessere zuzugestehen und so das Kollektiv (Ich bin das Volk!) auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter zu ziehen, der da ist:

„Es wird immer schlimmer!“

Du bist Lüdinghauser wenn… du noch merkst, wie Scheiße du bist!

Dabei könn(t)en wir das viel besser! Wenn wir es nur wollen würden. Wenn wir nicht so viel passiv-aggressive und perverse Freude daran empfinden würden, uns quälen zu lassen. Wenn wir es nicht genießen würden, fremdgesteuert zu werden. Wenn uns Fressen, Fögeln(sic!), Fernsehen und Fußball nicht reichen würde. Wenn uns daran liegen würde, wie es eigentlich unserem Nachbarn und nicht nur unserem Bankkonto geht.

ALLES wäre sofort besser!

Vor allem die eigene Laune wäre besser.

Und die Welt wäre ein besserer Ort.


1) Wilhelm Meisters Wanderjahre II, Betrachtungen im Sinne der Wanderer, 1821
2) The Illusions of Socialism, 1897


Disclaimer: Dieser Beitrag ist ein „Rant“ – also das Gegenteil einer sachlichen Auseinandersetzung zu einem oder mehreren Themen. Ihn zu schreiben, war Teil der notwendigen Gegenmaßnahmen auf die Reaktionen, die in mir hoch gestiegen sind, als ich einmal wieder zu lange, zu viel Zeit auf Facebook verschwendet habe. Ich lese da leider immer noch, was meinen Nachbarn zu kommunal- aber auch zu allgemeinpolitischen Dingen so alles einfällt. Danach wünsche ich mir eigentlich regelmäßig den sofortigen Weltuntergang. Zum Glück ist der aber bislang immer ausgeblieben. Damit ich nicht auf Facebook zurück-schreiben muss, schreibe ich auf diesem Blog.

Denn: Wer hier liest, ist freiwillig hier… ;-)