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Sechs Jahre nach Fukushima ist beinahe nix passiert? – Der „Störfall“ in Norwegen

Lüdinghausen – Die Reaktorkatastrophe von Fukushima in Japan jährt sich morgen erst zum sechsten Mal. Die Erinnerung daran ist vermutlich jedem Menschen, der damals älter als 10 Jahre gewesen ist und deshalb vor den TV Bildschirmen verfolgen konnte, wie es in einem der am höchsten entwickelten Ländern dieser Erde zu mehreren Super-GAUs gekommen ist, noch recht präsent.

Vielleicht auch deshalb, wurde der „Störfall“ in dem norwegischen Forschungsreaktor in Halden, Norwegen vom Ende Oktober 2016 nur sehr zurückhaltend publiziert. Norwegen ist schließlich eines der am höchsten entwickelten Länder Europas…

Detlef zum Winkel berichtete darüber gestern für Telepolis:

Die Ursache einer im Januar bekannt gewordenen radioaktiven Wolke über Europa scheint auf kein Interesse zu stoßen.

Ende Januar wurde die Öffentlichkeit mit spärlichen Meldungen über eine radioaktive Wolke informiert. Sie enthalte Jod 131 in geringer Konzentration und verteile sich über ganz Europa, wie Strahlenmessungen in Finnland, dann in Frankreich, Spanien und schließlich auch in Deutschland gezeigt hätten.

Anmerkung Nr. 1: In Deutschland zuletzt.

Die Wolke sei ungefährlich, hieß es, und „mysteriös“, weil ihre Ursache unbekannt blieb. Immerhin schickte das US-Militär ein mit Messinstrumenten ausgestattetes Spezialflugzeug, um der Sache auf den Grund zu gehen. Verrieten die J131-Spuren vielleicht ein nukleares Experiment der Russen, möglicherweise sogar einen Atomtest?

Anmerkung Nr. 2: Die EU-Staaten unternahmen keine erkennbaren eigenen Anstrengungen, um die Ursache des Phänomens zu erkunden. (…)

Die mangelnde Sicherheitskultur zeigt sich freilich auch am Desinteresse der großen Medien, an ihrer Unfähigkeit, die Relevanz einer scheinbar alltäglichen Störung im Nuklearbetrieb zu erkennen sowie an der Untätigkeit der Umweltbehörden. Das Berliner Umweltministerium, das sich gern an grenznahen Atomkraftwerken abarbeitet, hat die Strahlenwolke nicht zu seinem Thema erkoren. Dabei war Frau Hendricks doch schon groß, als Tschernobyl passierte. Anmerkung Nr. 6: Auch im geografisch näher gelegenen Kiel konnte Herr Habeck offenbar keinen Handlungsbedarf erkennen. (…)

Zitate aus: „Beinaheunfall in Norwegen“ – Telepolis – 09. März 2017 – Detlef zum Winkel

Möglicherweise wollte man die Bevölkerung einfach nicht beunruhigen.

Mag sein…

Für mich ist die Sache allerdings in doppelter Hinsicht beunruhigend. Denn erstens war ich zum Zeitpunkt des Unglücks dem Ort des „Störfalles“ in Halden, im schwedischen Helsingborg etwa 800km näher als der gemeine Lüdinghauser – das erhöht einfach meinen individuellen Betroffenheitsfaktor.

Doch zweitens ist vor allem nichts beunruhigender, als diese Art der Kommunikationsstrategie. Denn eine solche Strategie, die Öffentlichkeit NICHT zu informieren, beunruhigt mich in der Regel nachhaltiger, als jede sachliche Meldung in geeigneten Medien der Wahl.

Ich bin der letzte, der dazu beitragen will, Verschwörungstheorien zu verbreiten. Deshalb fordere ich die Offenlegung von Informationen, zum frühest möglichen Zeitpunkt für die größtmögliche Öffentlichkeit.

Hier ist allerdings das exakte Gegenteil zu studieren und mir stellt sich die Frage, ob die Tatsache, dass auch Deutschland an diesem „Forschungsreaktor“ (über die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), deren Gesellschafter sich zusammensetzen aus der Bundesrepublik Deutschland, dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, dem Freistaat Bayern, den Technischen Überwachungs-Vereinen (TÜV), sowie dem Germanischen Lloyd und deren Aufsichtsratsvorsitzende die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) aus dem BMUB ist) beteiligt ist, zu meiner Beunruhigung beitragen sollte.

Der Atomlobby ist – ohne Unterschied zwischen Forschungs-, kommerziellen- oder Rüstungszwecken – nicht zu trauen!

Nie!


https://www.heise.de/tp/features/Beinaheunfall-in-Norwegen-3648067.html

https://en.wikipedia.org/wiki/Halden_Reactor


via: Extradienst / Telepolis

Kommentare ( 2 )

    • Ich hatte im Studium mal ein sehr ertragreiches Seminar, daraus sind vor allem die „Fünf Herrschaftstechniken“ („Master suppression techniques“) bei mir hängen geblieben. Damals wurden diese bei uns als „männliche Unterdrückungtechnik“ diskutiert, was natürlich in so weit Quatsch ist, weil es tatsächlich universell gültige Mechanismen sind – die allerdings von Männern in der Regel sehr viel besser beherrscht wurden als von Frauen. Inzwischen, so würde ich es meinen, muss man diese Unterscheidung nicht mehr machen – das haben die Frauen längst aufgeholt.

      Nichtsdesdotrotz – diese fünf Varianten von Machtausübung kann man sehr gut als Schablone benutzen, um Mechanismen zu erkennen. Das gilt global, wie lokal, wie individuell. Und was man erkannt hat, kann man thematisieren. Deshalb sind wir hier! Oder nicht? ;-)

      https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Herrschaftstechniken

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